Ahmet

Was wolltest du werden, als du noch ein Kind warst?

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“Schon als kleiner Junge wollte ich etwas mit Autos machen. Ich war fasziniert davon, wie so ein Motor überhaupt funktioniert. Alles fing mit einem alten Fahrrad an, das ich auf dem Sperrmüll gefunden habe. Ich hab’s zerlegt, wieder zusammengebaut – und als es schließlich fuhr, war das wie Magie.

Da war mir klar: Ich will der Mann sein, der Dinge wieder zum Laufen bringt!”


Wie war der Umgang in der nachbarschaft mit euch?

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“Am Anfang war es schwer. Die meisten Nachbarn begegneten uns mit Misstrauen – manche sogar mit Fremdenhass. Wir waren für sie „die gefährlichen Ausländer“.

Doch Begegnug verändert Menschen.

Jahre später, als einige unserer damaligen Nachbarn alt und krank wurden, haben wir uns um sie gekümmert, sie gepflegt und unterstützt. Es waren dieselben Menschen, die uns früher gemieden hatten. Sie haben dann später ihren Rassismus bereut. Und als sie uns schließlich täglich grüßten – etwas, das sie früher nie getan hatten – war das für mich ein stiller Moment der Versöhnung.”


Was liebst du an Deutschland?

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“Also in Deutschland gefällt mir, dass sich jeder ordnungsgemäß an die Verkehrsregeln hält – sogar die Fußgänger! In der Türkei ist das ja mehr so ein Wettrennen: Wer zuerst hupt, hat gewonnen. (lacht)

Und die Straßen! So sauber, dass du denkst, nachts kommt eine Putzfee vorbei.” (lacht)


was vermisst du heute an der Türkei?

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“Ich vermisse das Meer, die Abende mit Cay, Sonnenblumenkerne und Nachbarn, wenn alle reden, lachen, streiten und wieder lachen.“

Wie waren eure Anfänge in Deutschland?

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“Schwer, sehr schwer. Meine Freunde waren damals richtig neidisch auf mich. „Du gehst nach Europa, nach Deutschland!“ haben sie gesagt. Aber ehrlich: Ich wollte gar nicht herkommen. Ich wollte meine Freunde, meine Nachbarschaft, mein gewohntes Leben nicht verlassen.

Und als wir dann hier waren, war es auch nicht einfach. Wir hatten nicht mal ein richtiges Badezimmer. Wir mussten mit vier anderen Familien uns eine Badewanne im Keller teilen. Wenn einer badete, wusste’s das ganze Haus.” (lacht)


Welche Tradition wünschst du dir, dass sie auch in 200 Jahren bleibt?

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“Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft echte Begegnungen gibt –

so richtig von Mensch zu Mensch. Heute läuft vieles über Bildschirme.

Die Leute treffen sich immer weniger, sie schreiben nur noch. Früher sind wir einfach rausgegangen, haben uns auf der Straße oder beim Tee getroffen, ohne Termin und ohne Handy. Da hast du in die Augen geschaut, nicht ins Display. Das wäre schön, wenn es diese Kultur noch geben würde.”


Wann bist du nach Deutschland gekommen?

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“Ich bin mit 12 Jahren nach Deutschland gekommen – und durfte direkt wieder in die erste Klasse! Stell dir das mal vor: ein Zwölfjähriger zwischen lauter Sechsjährigen. Das war wirklich schwer für mich als Kind. Niemand verstand mich, und ich konnte mich nicht ausdrücken. Wir dachten damals: „Ach, wir bleiben nur kurz – ein, zwei Jahre vielleicht.“ Tja, daraus sind ein paar Jahrzehnte geworden.”


Was wünschst du dir, dass deine Enkel eines Tages über dich sagen?

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“Ich wünsche mir, dass sie sagen: Opa hat uns nie enttäuscht. Er war immer für uns da. Vielleicht konnte er uns nicht alles kaufen, aber er hat uns alles gegeben, was er hatte:

Zeit, Liebe und Geduld.

Und dass Opa der beste Märchenerzähler war – nur kamen bei ihm keine Prinzessinnen vor, sondern Motoren und Autos (lacht)”

Was ist das Schönste am Älterwerden?

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“Das Schönste am Älterwerden? Zeit. Zeit mit den Kindern, mit den Enkeln. Zu sehen, wie sie groß werden und glücklich sind – das ist das Schönste für mich. Früher hatte ich kein Wochenende, keine Pause – nur Arbeit. Jetzt hole ich das ein bisschen nach und denke mir: Jetzt lebe ich das, wofür ich damals gearbeitet habe.”


Hattest du einen Traum, den du nicht verwirklichen konntest?

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“Ja, mein großer Traum war eine eigene Werkstatt! Vielleicht wäre sogar aus mir ein Autoingenieur geworden.

Aber als Gastarbeiterkind hattest du andere Aufgaben. Du musstest früh Verantwortung übernehmen, mitarbeiten, Geld verdienen. Die Bedingungen waren nicht wie heute. Und dann kommt das Leben: Familie, Arbeit, Verpflichtungen – und irgendwann ist der Traum auf der Werkbank liegen geblieben.”


Welchen Ratschlag würdest du deinem “20-jährigen Ich” geben?

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“Bildung ist das Fundament, auf dem du dein Leben baust.

Hab Mut, selbst deinen Weg zu gehen – und lass dich nicht aufhalten, egal was andere sagen.”


Was würdest du einem Nazi sagen?

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“Ich würde sagen:

Werdet menschlich. Erinnert euch daran, dass ihr uns gerufen habt. Wir haben dieses Land mit aufgebaut – mit unseren Händen, unserer Arbeit, unserem Leben. Wir sind keine Fremden und erst recht keine Schmarotzer. Wir sind Teil der Geschichte dieses Landes.”

Was war die größte Herausforderung in deinem Leben?

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“Die größte Herausforderung in meinem Leben war, dass meiner Tochter ihr Abschluss quasi verweigert wurde. Auf der Schule sagte ihr Lehrer einmal zu ihr: „Was willst du mit Bildung? Werd Hausfrau.“ Das hat mich tief getroffen.

Später, an der Universität, wurde ihre Prüfung „verloren“. Der Professor wollte keine Studentinnen mit Migrationshintergrund.

Meine Tochter hat sich aber nicht unterkriegen lassen. Sie hat die Uni gewechselt und hat dann dort ihren Abschluss in BWL gemacht. Das war nicht leicht. Solche Brüche hinterlassen Spuren und manchmal spüre ich sie noch heute.”


Welchen Rat möchtest du deinen Enkeln geben?

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“Ich sag immer: Habt ein Ziel im Leben. Macht euch Gedanken, wo ihr hinwollt, und gebt nicht zu früh auf. Viele leben einfach so in die Woche hinein, ohne Plan, ohne Richtung. Aber wer kein Ziel hat, der kommt auch nirgends an.”


Vielen Dank für das Interview, Ahmet!