Die Cafes

Eigentlich wollten wir alle etwas anderes machen.

Wenn man uns vor ein paar Jahren gefragt hätte, was wir einmal beruflich machen werden, hätte vermutlich niemand von uns „Gastronomie“ gesagt.

Wir sind fünf Geschwister. Fünf ziemlich unterschiedliche Lebensläufe. Studium, Ausbildung, Jura, Medizin – jede und jeder von uns hatte einen eigenen Plan.

Und dann kam DEDE.

Die Idee war am Anfang eigentlich ziemlich überschaubar: Wir eröffnen gemeinsam ein kleines Café. Nebenbei natürlich.

Jeder behält seinen eigentlichen Beruf, und die Schichten im Café teilen wir einfach untereinander auf. Mal macht der eine auf, mal die andere zu. Ein bisschen Kaffee, ein bisschen Kuchen, ein bisschen Familie.

Klang nach einem guten Plan.

War es nicht.

Aus einem Café wurde plötzlich unser Leben.

DEDE entwickelte ziemlich schnell ein Eigenleben. Es kamen mehr Gäste, als wir erwartet hatten. Aus Gästen wurden Stammgäste. Aus einem kleinen Café wurde ein Treffpunkt. Und aus unseren gelegentlichen Schichten wurden immer mehr Stunden.

Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen, wer eigentlich wann „nur kurz im Café aushelfen“ wollte.

Und noch etwas ist passiert, womit wir nicht gerechnet hatten: Wir haben gemerkt, wie viel Freude uns dieser Ort macht.

Nicht unbedingt die Gastro an sich. Wer einmal samstags mit vollem Laden, leerer Spülmaschine und drei Krankmeldungen dagestanden hat, weiß, was wir meinen.

Sondern das, was durch Gastronomie entstehen kann.

Menschen kommen zusammen. Freundschaften entstehen. Man kennt irgendwann die Bestellung, bevor der Gast sie ausgesprochen hat. Man diskutiert, lacht, streitet, versöhnt sich. Manche kommen für einen Kaffee und bleiben für drei Stunden.

Genau das hat uns gepackt.

Und dann kam NENE.

Spätestens mit NENE war die Theorie vom „kleinen Nebenprojekt“ endgültig erledigt.

Aus einem Café wurden zwei. Aus einer Idee wurde eine Marke. Und aus fünf Geschwistern mit völlig unterschiedlichen beruflichen Plänen wurde plötzlich eine Familie mit einer gemeinsamen Mission.

Heute arbeiten wir alle an DEDE und NENE.

Jede und jeder bringt dabei etwas anderes mit. Unterschiedliche Ausbildungen, unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Stärken – und selbstverständlich auch fünf unterschiedliche Meinungen darüber, wie man etwas richtig macht.

Familienunternehmen eben.

Vielleicht funktioniert es aber gerade deshalb.

Vielleicht ist es deshalb ganz passend, dass wir am Ende ausgerechnet in der Gastronomie gelandet sind.

Denn wenn wir an unsere Großeltern denken, denken wir nicht zuerst an Arbeit oder Migration.

Wir denken an volle Tische.

An Çay, der eigentlich schon auf dem Tisch steht, bevor man überhaupt richtig zur Tür hereingekommen ist. An Essen, von dem grundsätzlich zu viel gekocht wurde. An unangekündigte Gäste. An lange Abende. Und an dieses selbstverständliche Gefühl: Komm rein. Setz dich. Du gehörst dazu.

Genau dieses Gefühl versuchen wir heute weiterzugeben.

Nur eben auf unsere Art.

Mit Flat White statt Filterkaffee, Laptop auf dem Tisch und wahrscheinlich etwas besserem WLAN.

Der Plan ist also ziemlich ausgeartet.

Aus einem kleinen Nebenprojekt wurde ein ziemlich großer Teil unseres Lebens.

Und wenn wir heute zurückblicken, ist das vielleicht das Schönste an der ganzen Geschichte:

Wir fünf sind losgegangen, um völlig unterschiedliche Dinge zu machen.

Und sind am Ende doch wieder am selben Tisch gelandet.

Bei DEDE und NENE.

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Fünf Geschwister, eine idee